Geschichte

Gräberfunde aus der Grabhügelzeit 500-800 vor Christi belegen, daß der “Sandhügel” Walbeck bereits sehr früh besiedelt war. Einige der Graburnen besitzt das Heimatmuseum in Kevelaer.

Weißes Haus
Ohne Zweifel ist die Pfarre Walbeck aus dem Pfarrverband Straelen hervorgegangen, die sich allerdings schon vor dem Jahr 1064, als bereits die Pfarrkirche als kleineres Kirchlein bestand, gelöst hatte und unabhängig wurde. Der Name Walbeck wurde allerdings erstmals im Jahre 1250 urkundlich erwähnt. Das Kirchlein wurde im Jahr 1329 zur jetzigen Pfarrkirche St. Nikolaus erweitert und ausgebaut. 1432 gesellte sich der Turm und Anfang des 16. Jahrhunderts die Luzia-Kapelle dazu. Das heutige “Weiße Haus” wurde 1625 als Pilger- und später als Pfarrhaus genutzt.

Um 1500 wurde das schloßartige “Haus Walbeck” erbaut, daß zunächst dem rauflustigen Ritter Otto Schenck von Nydeggen als Unterkunft diente. Später ging das “Haus” durch Heirat in den Besitz der Familie Byland über. 1663 schließlich ging es in das Eigentum des Freiherrn Lothar Wilhelm Otto von Bönninghausen über. Der Letzte Freiherr von Bönninghausen starb 1802 und wurde mit seiner Frau in der Pfarrkirche begraben.

Haus Steprath, ursprünglich im Besitz von Derick Schenck von Nydeggen, ging später an die Familie von Doornick über.

In den mittelalterlichen Machtkämpfen wurde Walbeck am 13. August 1514 in Brand gesteckt. Die Kämpfe zwischen den Niederlanden und den damaligen spanischen Besatzern ließen das Dorf nicht zur Ruhe kommen. 1609 gab es schließlich einen 12jährigen Waffenstillstand.

1626 wurde dann mit dem Bau eines schiffbaren Kanals zwischen Maas und Rhein begonnen, der auch an Walbeck vorbeiführte. Reste der “Fossa Eugeniana” sind heute noch an der Lingsfort und der Grift zu bewundern.

Nach dem Frieden wurde auch unser Dorf in die Stürme des Dreißigjährigen Krieges hineingezogen und nur wenig später folgten die spanischen Erbfolgekriege von 1701 - 1714. König Friedrich von Preußen hielt Geldern lange besetzt und im Frieden von Utrecht 1713 kam Geldern und damit auch “Freiherrlichkeit Walbeck” endgültig zu Preußen.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763; Preußen kämpfte um die Vorherrschaft in Europa und um den Besitz Schlesiens. Der Kampf richtete sich gegen Österreich, Frankreich, Russland, Sachsen und Schweden.) wurde das Land durch die Franzosen besetzt und die Französische Revolution 1789 brachte erneut Elend. 1792 fielen französische Truppen ein, die sich, mit kurzer Unterbrechung, bis 1813 hier festsetzen konnten.

Danach herrschte lange Frieden. 1815 bildete Walbeck eine eigene Bürgermeisterei, wurde aber von 1823 bis 1863 von Kevelaer aus verwaltet. Anschließend existierte Walbeck dann als eigenständige Gemeinde bis 1969. 1647 wurde in einem Adreßbuch die Einwohnerzahl mit 1647 angegeben. Heute zählt Walbeck gut 4000 Einwohner.

1845 wurde ein Schulhaus an der Hauptstraße gebaut, 1856 waren in der Walbecker Bürgermeisterei bereits 5 Schulklassen untergebracht. Im Jahre 1911 wurde schließlich die heutige St. Luzia Schule erbaut. Sie wurde 1998/2000 um sieben Klassen erweitert, da die ständig zunehmende Zahl an Kindern (Geburten und Zuzüge) dies erforderlich machte.

Bereits 1901 bekam Walbeck Anschluß an die Gelderner Kreisbahn, die allerdings schon 1931 ihren Betrieb wegen Unrentabilität wieder einstellte. 1912 bekam Walbeck elektrisches Licht.

Der Spargelsoldat
Argwöhnisch von den Walbeckern beobachtet experimentierte Dr. Klein-Walbeck vor den Toren seines Rittersitzes mit Spargelpflanzen. Schon bald sahen die Beobachter seinen Erfolg und 1929 wurde mit 55 Bauern zusammen die “Spargelbaugenossenschaft von Walbeck und Umgebung” gegründet. Damit war das “Spargeldorf Walbeck” geboren und sein Ruf als Mekka der Feinschmecker ist bis heute ungebrochen.

Nach dem 2. Weltkrieg blühte die Spargelkultur neu auf und auch durch die Treibhäuser mit Gemüse, Blumen und Topfpflanzen gesundete Walbeck finanziell immer mehr.

1973 wird das riesige, sehr schön gelegene, Waldfreibad mit seiner 14 Hekar großen Fläche eröffnet.

Im Jahr 1998 wurde zudem die Seniorenresidenz “Walbecker Hofgarten” auf dem Kaplanshof mit 41 Wohneinheiten und Café-Restaurant eröffnet. Eine moderne Eisdiele rundet inzwischen das kulinarische Angebot in Walbeck ab.

Bei allem Wandel in den letzten stürmischen 50 Jahren darf man getrost feststellen, daß sich Walbeck dennoch seine Eigenständigkeit als liebenswertes Spargeldorf erhalten hat. Ein Dorf mit einem hohen Wohnwert, in dem es sich nach wie vor gut leben läßt.

Quelle u.a.: Kleine Walbecker Dorfgeschichte von Helmut Schopmans.