Luziakapelle

Luziakapelle
Die Luziakapelle am Walbecker Markt wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut und 1516 zuerst erwähnt.

Der Bau ist ein kleiner, einschiffiger Backsteinbau von zwei Jochen und 5/8 Schluß. Das Gewölbe stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Die Reste der alten gotischen Wandmalereien an der Nord- und Ostseite, die erst 1954 freigelegt worden sind, stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Auf der Ostwand sind Maria mit dem Kind und Petrus mit dem Schlüssel zu sehen. Die Madonna mit ihrem Kind ist in ihrem oberen Teil noch ziemlich gut erhalten. Auf der Nordwand erkennt man den hl. Christophorus mit dem Jesuskind und eine Heilige, die in der rechten Hand ein aufgeschlagenes Buch hält, in der linken eine kaum mehr sichtbare Hellebarde (Streitaxt). Der ockerfarbene Hintergrund könnte eine Schafherde darstellen. Vielleicht handelt es sich bei der dargestellten Heiligen um die hl. Agnes.

Pastor Poyn der bis 1629 in Walbeck tätig und der der Erbauer des Alten Pastorats war, stiftete im Jahre 1643, nachdem er eine Pastorenstelle in Baarlo (bei Venlo, Niederlande) übernommen hatte, der Gemeinde für die Luziakapelle eine kleine Glocke. Bei Brand und Unwetter wurde sie geläutet.

Eine Eintragung im Kirchenbuch aus dem Jahre 1713 besagt, daß am Luziatag (13. Dezember) ein vollkommener Ablaß gewonnen werden konnte.

Ein im Jahre 1741 in Löwen ( Belgien, etwa 150 km von Walbeck entfernt) gedrucktes kleines Gebetsheft wurde in der Walbecker Kirche zum Kauf angeboten. Es ist ein Beweis dafür, aus welcher Entfernung die Pilger nach Walbeck gekommen sind. Die Heilige wurde gegen Halsleiden und bei Seuchengefahr, besonders gegen die Ruhrkrankheit um Hilfe angerufen. Als im Jahre 1811 die Ruhr in erschreckendem Maße zwischen Rhein und Maas um sich griff, pilgerte eine Prozession der Pfarre St. Antonius, Kevelaer, zur Luzia nach Walbeck. Daraus entwickelte sich die Tradition, zunächst am Freitag nach Fronleichnam die Wallfahrt anzutreten, später wurde der Wallfahrtstag auf den Sonntag nach Pfingsten verlegt.

Zum hundertjährigen Jubiläum (1911) der Kevelaerprozession stiftete die Pfarre Kevelaer eine Jubiläumskerze mit Erinnerungsplakette, desgleichen im Jahre 1961.

Der Namenstag der hl. Luzia wurde von alters her stets festlich begangen, zeitweise in Verbindung mit einer Kirmes, und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zog ein nicht unbedeutender Flachsmarkt die Besucher an.

Erinnerungsstücke an die frühe Wallfahrt zur hl. Luzia sind nicht mehr vorhanden. Das bedeutendste Zeugnis war ein großer, spätgotischer Messingleuchter, der bis zum Jahr 1924 in der Pfarrkirche hing. In der Mitte des Leuchters befand sich die Statue der hl. Luzia. Nach der örtlichen Legende wurde dieser Leuchter von einem Mann gestiftet, dessen Tochter bei der Wallfahrt zur hl. Luzia in Walbeck von ihrem Leiden geheilt worden ist. Leider wurde dieser Leuchter im Sommer 1924 verkauft und durch eine Kopie ersetzt. Der Erlös wurde zur Finanzierung uns unbekannter Zwecke verwandt.

Der Bau ist von künstlerisch und architektonisch hohem Wert, ein unverzichtbares Zeugnis der langen Siedlungsgeschichte des Ortes.

Standort dieser Sehenswürdigkeit