Pfarrkirche St. Nikolaus

Pfarrkirche St. Nikolaus
Die katholische Pfarrkirche wird urkundlich zuerst 1255 erwähnt. Sie ist ein spätgotischer Bau des 15. Jahrhunderts mit sechs querliegenden Jochen und 5/8 Chorschluß sowie fünf quadratischen Nebenjochen als südliches Seitenschiff. Der Turm wurde gemäß ziemlich verwittertem Inschriftstein an seiner Nordseite 1432 errichtet:
IM JAER ONS HEREN MCCCCXXXII DOE IS DIE IRST STEN ANGELACHT VAN DESE TORE SINTE LUCI.
(Im Jahr des Herrn 1432 ist der erste Stein dieses Turmes St. Luzia gelegt worden.)

Der dreigeschossige Turm besteht in seinen unteren Partien aus Tuffstein und oben aus Backstein. An seiner Südseite reiht sich ein gotischer Knickhelm (gegliedertes Pultdach) an.

Außen an der Westtreppe zur Kirche wurde eine moderne Figur des hl. Nikolaus aufgestellt und an der Nordtreppe eine moderne Steinfigur der hl. Luzia.

Als bei der Restaurierung 1966 eine Fußbodenheizung eingebaut werden sollte, bot sich die Gelegenheit für eine archäologische Untersuchung, um Einzelheiten über die bauliche Entwicklung der Kirche zu erfahren. Der früheste nachgewiesene Bau war eine Saalkirche, wohl aus dem 12. Jahrhundert, die später durch einen Westanbau und einen quadratischen Chor erweitert wurde. Wohl im 14. Jahrhundert ersetzte man den romanischen Chor durch einen polygonalen Chor. Ein Lagerbuch überliefert als Baujahr einer Kirche 1329. Vielleicht bezieht sich das Datum auf diesen Chorneubau. In den Jahren 1966 bis 1970 wurde die Kirche restauriert. Turm, Mauerwerk und Glockenstuhl wurden von außen instand gesetzt. Die übrigen Teile des Außenbaues wurden überarbeitet. Im Inneren mußte teilweise der Putz erneuert werden. Denkmalpflegerische und raumgestalterische Überlegungen waren zu koordinieren bei der Neugestaltung der Orgelempore mit ihrem Prospekt (Pfeifengehäuse der Orgel).

Es ist einer der schönsten Orgelprospekte am Niederrhein, ein zweigeschossiges Gehäuse mit breit ausladender Brüstung; bekrönt wird der Prospekt von zwei Engeln und König David mit der Harfe. Henricus Titz baute die Orgel 1752 für das Kreuzherrenkloster in Venlo. 1770 wurde der Prospekt von Joan Theodor Gilman (1714 geboren in Kornelimünster bei Aachen) umgebaut.

Als das Kloster 1797 von Napoleon aufgehoben wurde, hat die Pfarrgemeinde Walbeck die Orgel erworben. Pater Geusen, mittlerweile Pastor von Baarlo (Niederlande) bot sie 1803 für 2.500 Clevische Gulden an. Der Kauf kam zustande. Für Transport, Ab- und Aufbau waren nochmals 1.800 Gulden aufzubringen - und das bei einer Jahreskollekte von gerade einmal 68 Gulden.

Über die ursprüngliche Disposition (Anzahl und Art der Register bei der Orgel) weiß man nichts mehr. Die Disposition aus der Zeit nach dem Umbau ist durch einen glücklichen Umstand erhalten geblieben: 1890 bietet der Orgelbauer B. Tibus einen Umbau der Orgel an. Seiner Aufstellung sind die Kosten für die Herstellung des Umbaus sowie die alte und die neue Disposition zu entnehmen. Dieser Orgelumbau wurde aber nie durchgeführt.

Eingebaut in das Gehäuse wurde 1930 eine elektro-pneumatische Orgel, ein Werk aus einer Umbruchphase. Dieser Orgel war nur eine Lebensdauer von gut 60 Jahre beschieden.

Am 3. Advent des Jahres 1993 erklingt die von der Firma Muhleisen aus Straßburg gebaute neue Orgel zum ersten Mal. Den Auftraggebern war klar: der Orgelprospekt fordert von jedem aufmerksamen Betrachter kategorisch den glänzenden und prächtigen Klang einer Barockorgel. Die Mitarbeiter der Firma Muhleisen griffen dieses Konzept begeistert auf und entwickelten es weiter. Bei der Realisierung wurden die Eigenarten der ursprünglichen Disposition aufgegriffen. Das Ergebnis ist eine Orgel, deren neues “Innenleben” klanglich und technisch im harmonischen Einklang mit dem alten Gehäuse steht.

Das Instrument ist in seinem Konzept von rheinischen und nordfranzösischen Einflüssen des Spätbarock geprägt und sowohl für altfranzösische Musik wie auch für viele Werke Bachs gut geeignet.

Die stärkste Wirkung geht ohne Zweifel von den Kirchenfenstern aus. Die Entwürfe stammen von Joachim Kloos; ausgeführt wurden sie in der Werkstatt Derix in Kevelaer. Das Thema der Fenster ist “Das pilgernde Volk Gottes auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem.” Die Stadt ist aus purem Gold errichtet und mit kostbaren Steinen geschmückt ( Offb. 21, 12-18).

Das mittlere Chorfenster stellt die Stadt als eine antike Architektur in strahlendem Goldgelb des natürlichen Tageslichts dar. Auf dieses Fenster sind alle übrigen hin geordnet. Zum Ausgangspunkt nimmt der Künstler den auf Säulen stehenden Orgelprospekt. Elemente des Prospektes nimmt er auf, um sie später im “himmlischen Jerusalem” zur gebauten Stadt zusammenzufügen. Neben den Architekturelementen sind es die Farben, die den Weg weisen. Immer wieder tritt die goldene Farbe hervor.

Der Weg zum himmlischen Jerusalem ist weiter durch antike und barocke Figuren angedeutet, die Gegenwart durch eine moderne junge Frau. Als Zeichen der Versuchung ist der Paradiesapfel zu sehen.

Im nördlichen und südlichen Chorfenster findet sich die Darstellung der Katastrophen - das Heer des Antichristen und Heuschrecken. Aber das Heer des Antichristen wird durch Christus besiegt und die Heuschrecken dürfen denen nichts anhaben, die das Siegel Gottes auf der Stirn tragen.

Die beiden Fenster neben dem Mittelfenster stellen rechts die gebärende Frau (Offb. 12, 1-2) und links den Drachen dar, der den neugeborenen Sohn der Frau verschlingen will (Offb. 12, 3-4). Doch der Sohn ist dazu auserwählt, als der kommende Weltherrscher “alle Völker mit eisernem Stab zu weiden”. Daher wird er zu Gott entrückt.

Der Anfang des Pilgerweges ist für das Gottesvolk die Taufe. Im Fenster der Taufkapelle an der Nordseite des Hauptschiffes sehen wir ein Kreuz in den Farben des Regenbogens. Der Regenbogen symbolisiert den Bund Gottes mit den Menschen. Immer wieder läßt der Künstler ihn in den Chorfenstern anklingen, um anzudeuten, daß Gott diesen Bund nie auflöst. Trotz ihrer modernen Art fügen sich die Fenster hervorragend in das spätgotische Raumbild ein.

Weitere Sehenswürdigkeiten, die sich in der Kirche finden, sind:

Das Stifterbild mit der Darstellung der Anbetung der Heiligen Drei Könige von 1643;
Eine Holzfigur des hl. Christophorus (um 1500) in der Taufkapelle, eine neu polychromierte Holzfigur in halber Lebensgröße. Der Heilige, mit der linken Hand auf einen Baumstamm gestützt ist, schreitet mit nackten Beinen durch das Wasser, das bärtige Haupt zu dem auf der rechten Schulter sitzenden ganz kleinen Jesusknaben gewendet. Charakteristisch die gebrochenen Falten des kurzen Mäntelchens
Barocke Holzfiguren des hl. Antonius (dem Älteren, dem Einsiedler) und hl. Sebastian, beide aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und der barocke Taufstein.

1998 erhielt die Pfarrkirche drei neue Glocken, die mit einer vierten alter Glocke das neue Geläut bilden. Die drei neuen Glocken wurden bei der Firma Eijsbouts in Asten/NL gegossen. Die alte Glocke ist “ein außergewöhnlich glatter, sauberer Guß der Firma Alexius und Henricus Petit aus dem Jahre 1772. Besonders erstaunlich ist die sichere Hand, mit der die Meister den Klang in der Molloktavrippe harmonisch aufgebaut haben: eine Leistung, die in der Entstehungszeit kaum einmal, bei Alexius und Henricus Petit nur selten zu finden ist, und selbst neben den besten Erzeugnissen unserer Zeit bestehen kann” - so ein Glockensachverständiger der Erzdiözese Köln in seinem Gutachten aus dem Jahre 1970.

Da die Pfarrgemeinde nach dem zweiten Weltkrieg ohne Glocken war, die oben erwähnte alte Glocke wurde im Krieg beschlagnahmt und erst 1950 holte man sie von einem Schrottplatz in Hettstedt, Sachsen - Anhalt, zurück, schaffte man 1949 vier Stahlglocken an. Damals gab es weder Bronze noch Geld, um Bronzeglocken zu kaufen. Der Guß der Stahlglocken war ein Notbehelf, der 1950 bereits wieder aufgegeben wurde. Auch zu diesen Glocken sei der Sachverständige zitiert: “Die Klangwirkung ist eine müde, träge, von brutaler Härte bei nur dürftigem Nachklang.”

1998 wurden die Stahlglocken aus dem Turm genommen und drei der Stahlglocken befinden sich nun in den Gärten einiger Walbecker Bürger, die vierte, die größte von ihnen, steht südlich der Kirche auf dem Kaplanshof und kann dort besichtigt werden.

Die neuen Bronzeglocken haben einen Durchmesser von 1266 mm bis 1704 mm und ein Gewicht von 1187 kg bis 2912 kg. Sie tragen die Namen Karl Leisner, Maria und Luzia. Die historische Glocke trägt den Namen Nikolaus.

An dieser Stelle einige Angaben zu Karl Leisner:
Er wurde in Rees / Niederrhein am 28.02.1915 geboren und ist in Kleve aufgewachsen. Als Gymnasiast tritt er der katholischen Jugendbewegung bei. 1934 schließt er seine Schulausbildung mit dem Abitur ab und sein Berufsziel ist, Priester zu werden. Er studiert erste Semester in Münster und wird vom Bischof mit dem Amt des Diözesanjungscharführers beauftragt. Eine Äußerung zum Attentat auf Hitler am 8. November 1939 führt zu seiner Verhaftung durch die Gestapo. Er wird zunächst ins KZ Sachsenhausen, von dort im November 1940 ins KZ Dachau eingewiesen. Hier bricht eine frühere Lungenkrankheit wieder aus. Noch im Lager wird der Todgeweihte von dem französischen Häftling Bischof Gabriel Piquet am 17. Dezember 1944 unter Lebensgefahr für alle Beteiligten zum Priester geweiht. Seine erste und einzige heilige Messe feiert er am Stephanustag (26.12.) 1944.

Am 4. Mai 1945 wird das Lager befreit. Seine letzten Lebenswochen verbringt Karl Leisner im Sanatorium Planegg bei München. Am 12. August stirbt er. Sein Grab befindet sich in der Märtyrerkrypta des Xantener Domes. Am 23. Juni 1996 wird Karl Leisner von Papst Johannes Paul 11. in Berlin seliggesprochen.

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